Logisch-mathematische Intelligenz: Bedeutung, Merkmale und Forschung

Logisch-mathematische Intelligenz ist die Fähigkeit, logisch zu denken, mit Zahlen und abstrakten Beziehungen umzugehen und Probleme systematisch zu untersuchen. Sie ist eine der sieben ursprünglichen Intelligenzen in Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen und steht dem, was IQ-Tests messen, von allen am nächsten. Als man sie direkt prüfte, erwies sie sich weitgehend als allgemeine Intelligenz unter anderem Namen.

Merkmale und Herkunft

Gardner beschrieb sie 1983 in Frames of Mind als Intelligenz von Mathematikern, Logikern und Naturwissenschaftlern und stützte sich dabei auf Jean Piagets Arbeiten zur Entwicklung des logischen Denkens bei Kindern. Typische Merkmale: Freude an Zahlen- und Logikrätseln; Muster und Regeln schnell erkennen; wissen wollen, warum etwas funktioniert; sicheres Kopfrechnen; in Schritten und Kategorien denken. Das sind Beispiele, kein Test. Ein bekanntes deutsches Beispiel ist die Schulanekdote über den jungen Carl Friedrich Gauß, der die Zahlen von 1 bis 100 blitzschnell addiert haben soll, indem er Paare bildete — eine Anekdote, aber ein schönes Bild für mathematisches Denken: die Regel finden, statt zu rechnen. Die übrigen Intelligenzen, etwa die sprachliche Intelligenz, stehen unter Arten von Intelligenz.

Was die Forschung zeigt

Der direkte Test: Beth Visser, Michael Ashton und Philip Vernon gaben 2006 200 Erwachsenen je zwei Tests pro Intelligenz und einen Test der allgemeinen geistigen Fähigkeit (den Wonderlic Personnel Test). Für diese Intelligenz wählten sie einen Denktest (30 Textaufgaben in 10 Minuten, bei denen man nur entscheidet, welche Rechenarten nötig sind) und einen Tempotest (120 einfache Rechnungen in vier Minuten). Der Denktest lud mit 0,70 oder mehr auf den gemeinsamen Faktor, den g-Faktor, und korrelierte von allen Tests am höchsten mit dem allgemeinen Intelligenztest. Der Tempotest lud nur mit 0,20 bis 0,39. Nach Entfernen des g-Faktors korrelierten die beiden noch 0,15 — signifikant, aber etwa halb so viel wie die beiden Worttests (0,29). Die Selbsteinschätzung der eigenen Rechenfähigkeit passte zu beiden Tests.

Mathematik ist keine Sprache: Marie Amalric und Stanislas Dehaene untersuchten 2016 Berufsmathematiker im Hirnscanner. Aussagen aus Algebra, Analysis, Geometrie und Topologie aktivierten ein Netzwerk in Stirn-, Scheitel- und unteren Schläfenregionen beider Hirnhälften und ließen die Sprachareale aus. Passend dazu zeigt eine Übersichtsarbeit von Evelina Fedorenko und Rosemary Varley (2016), dass Menschen mit globaler Aphasie trotz fast völligem Sprachverlust noch addieren, subtrahieren und logische Aufgaben lösen können.

Fazit: Mathematische Fähigkeit ist real und hat ein eigenes System im Gehirn — aber ein Test des mathematischen Denkens verhält sich wie ein Test der allgemeinen Intelligenz, nicht wie eine unabhängige Intelligenz, wie Gardners Theorie annimmt. Üben verbessert die geübten Fähigkeiten; dass Denkspiele den IQ heben, ist nicht belegt — mehr dazu im Artikel Macht Schach klüger?

Über diese Seite

IQ-Tests erfassen einen großen Teil dieser Intelligenz (Zahlenreihen, quantitatives Denken, Regeln in Mustern finden), nicht aber mathematisches Wissen oder naturwissenschaftliches Können. Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung zur allgemeinen Information zusammen; die Daten von 2006 stammen aus der vollständigen Abschlussarbeit der Autorin. Nichts hier beurteilt eine Rechenschwäche (Dyskalkulie), eine Lernschwierigkeit oder eine Erkrankung — Fragen dazu gehören zu Ärztin, Arzt, Lehrkraft oder Schulpsychologie. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Test des logischen Denkens mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren und keine klinische Untersuchung. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zu Howard Gardner, dem Educational Testing Service (Herausgeber der beiden Rechentests), dem Herausgeber des Wonderlic Personnel Test oder den übrigen genannten Forschenden, Universitäten, Fachzeitschriften und Publikationen.

Häufige Fragen zur logisch-mathematischen Intelligenz

Was ist logisch-mathematische Intelligenz?

Logisch-mathematische Intelligenz ist die Fähigkeit, logisch zu denken, mit Zahlen und abstrakten Beziehungen umzugehen und Probleme systematisch zu untersuchen. Sie gehört zu den sieben ursprünglichen Intelligenzen in Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen aus Frames of Mind (1983). Gardners Beispiele sind Mathematiker, Logiker und Naturwissenschaftler.

Ist logisch-mathematische Intelligenz dasselbe wie der IQ?

Nicht dasselbe, aber sehr nah daran. Im direktesten Test von Gardners Theorie gehörte ein Rechen-Denktest zu den beiden Tests, die am stärksten mit der allgemeinen Intelligenz zusammenhingen. Nach Herausrechnen dieses allgemeinen Faktors blieb zwischen den beiden Rechentests nur ein kleiner Zusammenhang (0,15) — halb so viel wie bei den Worttests.

Kann man logisches Denken trainieren?

Mathematisches Wissen und Können wachsen mit Unterricht und Übung. Schnelles Kopfrechnen hängt auch von Übung, Arbeitsgedächtnis und Tempo ab. Dass Logikrätsel oder Gehirnjogging-Apps die allgemeine Intelligenz selbst steigern, ist nicht belegt.

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