Macht Schach schlau? Was die Forschung zeigt

Nein — dass Schach allgemein schlauer macht oder den IQ erhöht, ist nicht belegt. Starke Spieler liegen in Intelligenztests im Schnitt etwas höher, doch das spiegelt vor allem wider, wer mit Schach anfängt und dabeibleibt. Wird Schach unterrichtet und das Ergebnis gemessen, sind die Gewinne klein und werden in den besten Studien noch kleiner. Was Schach zuverlässig verbessert, ist Schach.

Sind Schachspieler intelligenter?

Etwas. Eine Metaanalyse von 2016 bündelte 19 Studien mit 1.779 Teilnehmenden vom Anfänger bis zur Elo-Zahl über 2.600. Die Spielstärke hing mit allen gemessenen Fähigkeiten zusammen — fluides Denken, Wissen, Kurzzeitgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit —, im Mittel mit 0,24. Bei Jugendlichen war der Zusammenhang mit dem fluiden Denken stärker (0,32) als bei Erwachsenen (0,11); Zahlenverständnis zählte mehr als Sprache oder Raumvorstellung.

Übung zählt mehr. In einer Studie mit 57 jungen Spielern hatte die Trainingsmenge den größten Einfluss auf die Spielstärke. Unter den 23 stärksten Kindern sagte die Intelligenz gar nichts voraus — die weniger intelligenten hatten dort mehr trainiert.

Macht Schachunterricht schlauer?

  • Die Metaanalyse von 2016. Giovanni Sala und Fernand Gobet fassten 24 Studien mit über 5.000 Kindern zusammen: ein mittlerer Effekt (g = 0,34), etwas größer für Mathematik (0,38) als für Lesen (0,25), größer bei mehr Unterrichtsstunden.
  • Die Studienqualität. Später zeigten dieselben Autoren für Schach, Musik und Arbeitsgedächtnistraining: Je besser die Kontrollgruppe, desto kleiner der Effekt. „Weiter Transfer“ in fremde Bereiche kommt selten vor.
  • Der größte Versuch. In England bekamen 1.965 Kinder der fünften Jahrgangsstufe Schachunterricht, 1.900 nicht. Ein Jahr nach Ende des Unterrichts unterschieden sich die Gruppen in keinem gemessenen Ergebnis.
  • Ein positiver Befund. In Aarhus (Dänemark) ersetzte Schach eine von vier wöchentlichen Mathestunden, rund 30 Stunden insgesamt. Der Gewinn in Mathematik war klein, größer bei Kindern, die sich in der Schule langweilten oder unglücklich waren.

Warum das Können auf dem Brett bleibt

Eine klassische Studie von 1973 zeigte: Meister rekonstruieren eine fünf Sekunden lang gezeigte Stellung aus einer echten Partie weit besser als Anfänger — bei zufällig verteilten Figuren verschwindet ihr Vorsprung jedoch weitgehend. Meisterschaft ist ein riesiger Vorrat an Schachmustern, kein Allzweck-Gedächtnis. Dasselbe gilt für Gehirntraining und den Mozart-Effekt: Geübt wird die geübte Aufgabe. Mehr zum Unterschied unter fluide und kristalline Intelligenz.

Der Weltmeister mit Doktortitel

Emanuel Lasker war promovierter Mathematiker und Weltmeister von 1894 bis 1921 — 27 Jahre, die längste Regentschaft eines offiziell anerkannten Weltmeisters. Solche Biografien nähren das Bild vom Schach als Schule der Klugheit. Die Forschung liest sie anders herum: Begabung zieht es zum Schach, und viele Stunden Übung machen die Stärke aus.

Schach im Alter

Eine Studie von 2003 begleitete 469 Menschen über 75 rund fünf Jahre lang. Wer oft las, Brettspiele spielte, musizierte oder tanzte, erkrankte seltener an Demenz. Die Autoren forderten selbst kontrollierte Studien — wer in einem noch unerkannten Abbau steckt, gibt anspruchsvolle Hobbys womöglich einfach auf. Was den IQ tatsächlich bewegt, steht unter kann man den IQ steigern? und macht Lesen schlau?

Zu dieser Seite

Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung zur allgemeinen Information zusammen; die meisten Studien zu Schachspielern sind korrelativ. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Denktest mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren und keine klinische Untersuchung. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zur FIDE, zu Schachverbänden oder zu den genannten Fachzeitschriften, Universitäten, Forschenden und Studien; Namen dienen nur der Bezeichnung der beschriebenen Forschung.

Häufige Fragen: Macht Schach schlau?

Macht Schach schlau?

Nicht im allgemeinen Sinn. Gute Spielerinnen und Spieler schneiden in Intelligenztests im Schnitt etwas besser ab, doch Studien, die Schach unterrichten und danach das Denken messen, finden nur kleine Effekte — und die schrumpfen in den sorgfältigsten Versuchen. Sicher ist: Schach macht besser im Schach.

Steigert Schach den IQ?

Dafür gibt es keinen guten Beleg. Eine Metaanalyse von 2016 über 24 Studien fand einen mittleren Effekt von Schachunterricht bei Kindern; dieselben Forscher zeigten später, dass er in Studien mit aktiver Kontrollgruppe kleiner ausfällt. Ein großer Schulversuch in England fand keinen Unterschied.

Ist Schach gut für das Gehirn?

Schach ist eine fordernde, fesselnde geistige Tätigkeit. Bei älteren Menschen gehen geistig anregende Hobbys, darunter Brettspiele, mit einem geringeren Demenzrisiko einher. Das sind Beobachtungsstudien; dass Schach das Gehirn schützt, ist damit nicht bewiesen.

Haben Schachspieler einen hohen IQ?

Im Schnitt einen etwas höheren. Eine Metaanalyse von 19 Studien mit 1.779 Personen fand eine durchschnittliche Korrelation von etwa 0,24 zwischen Spielstärke und geistigen Fähigkeiten — ein bescheidener Zusammenhang. Übung erklärt mehr als der IQ.

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