Soziale Intelligenz (interpersonale Intelligenz): Bedeutung und Forschung

Soziale Intelligenz — in der Fachsprache Howard Gardners „interpersonale Intelligenz“ — ist die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen: ihre Stimmungen, Absichten, Motive und Wünsche, und angemessen darauf zu reagieren. Das Gegenstück ist die intrapersonale Intelligenz, das Verständnis der eigenen Person.

Zwei Begriffe für eine Idee

„Soziale Intelligenz“ ist der ältere Begriff; er geht auf den Psychologen Edward Thorndike (1920) zurück. Gardner stellte 1983 in Frames of Mind seine Theorie der multiplen Intelligenzen vor und fasste darin zwei „personale Intelligenzen“ zusammen: eine nach außen, eine nach innen gerichtet. In einer Zusammenfassung von 1989 beschrieben Gardner und Thomas Hatch den Kern der interpersonalen Intelligenz als die Fähigkeit, Stimmungen, Temperamente, Motive und Wünsche anderer zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren; als typische Berufsrollen nannten sie Therapeut und Verkäufer. Alltagsbeispiele: merken, dass ein Kollege verstimmt ist, bevor er es sagt; dieselbe Sache für verschiedene Menschen verschieden erklären; einen Streit schlichten. Alle Intelligenzen Gardners finden Sie unter Arten von Intelligenz.

Lässt sie sich messen?

So, wie Gardner sie definiert, nicht: Er nimmt eine Intelligenz anhand von Kriterien auf, nicht über einen normierten Test. Gemessen werden engere Fähigkeiten, etwa mit dem Test Reading the Mind in the Eyes: Man wählt das Wort, das beschreibt, was eine Person denkt oder fühlt — sichtbar ist nur ihre Augenpartie. Die überarbeitete Fassung von 2001 wurde unter anderem an 239 Erwachsenen ohne Diagnose erprobt.

Was Gruppenstudien zeigen

2010 teilten Anita Woolley und Kollegen 699 Personen in Gruppen von zwei bis fünf ein. Ein einziger Faktor „kollektiver Intelligenz“ erklärte die Leistung der Gruppen über viele Aufgaben hinweg — ähnlich wie der g-Faktor beim Einzelnen. Er hing nicht stark mit der durchschnittlichen oder höchsten Intelligenz der Mitglieder zusammen, wohl aber mit ihrer durchschnittlichen sozialen Sensibilität, mit gleichmäßig verteilten Redebeiträgen und mit dem Frauenanteil. Eine Auswertung von 22 Studien mit 5.279 Personen in 1.356 Gruppen (2021) bestätigte den Faktor: Wie eine Gruppe zusammenarbeitet, sagte ihre kollektive Intelligenz besser vorher als das Können der Einzelnen. Eine Neuanalyse von 2017 (Credé und Howardson) hielt die Belege für einen allgemeinen Gruppenfaktor dagegen für schwach — die Frage ist offen.

Eine eigene Intelligenz?

Gardners Theorie ist umstritten: Lynn Waterhouse kam 2006 zu dem Schluss, dass ihr ausreichende empirische Belege fehlen; Gardner und Seana Moran antworteten, die Kritik verkenne die Theorie. Dass soziale Fähigkeiten real und nützlich sind, bestreitet kaum jemand; strittig ist, ob der Begriff „Intelligenz“ etwas hinzufügt, das emotionale Intelligenz oder soziale Kompetenz nicht schon abdecken. Passend dazu: Bauernschläue und Schulwissen sowie Weisheit und Intelligenz.

Über diese Seite

Ein IQ-Test, auch unserer, misst logisches Denken mit Mustern, Zahlen und Wörtern — keine soziale Intelligenz. Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung zur allgemeinen Information zusammen; wo uns nur eine Zusammenfassung vorlag, geben wir nur deren Inhalt wieder. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Test des logischen Denkens mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren und keine klinische Untersuchung. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zu Howard Gardner, den übrigen genannten Forschenden, Universitäten und Fachzeitschriften oder den Autoren des Tests Reading the Mind in the Eyes; die Namen dienen nur dazu, die Forschung zu benennen.

Häufige Fragen zur sozialen Intelligenz

Was ist soziale Intelligenz?

Soziale Intelligenz ist die Fähigkeit, andere Menschen zu verstehen — ihre Stimmungen, Absichten, Motive und Wünsche — und angemessen auf sie zu reagieren. Howard Gardner nennt im Kern dieselbe Fähigkeit in seiner Theorie der multiplen Intelligenzen „interpersonale Intelligenz“.

Was ist der Unterschied zwischen interpersonaler und intrapersonaler Intelligenz?

Interpersonale Intelligenz richtet sich auf andere Menschen, intrapersonale auf einen selbst: die eigenen Gefühle, Stärken, Schwächen und Ziele kennen. Gardner fasst beide als „personale Intelligenzen“ zusammen.

Kann man soziale Intelligenz testen?

Einen standardisierten, validierten Test für Gardners interpersonale Intelligenz gibt es nicht. Forschende messen engere Fähigkeiten, etwa wie genau jemand Gefühle aus Fotos der Augenpartie erkennt.

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