Weisheit und Intelligenz: Was ist Weisheit?

Intelligenz ist die Fähigkeit, logisch zu denken, zu lernen und Probleme zu lösen. Weisheit ist gutes Urteilsvermögen über das Leben und über Menschen: mehrere Sichtweisen sehen, die Grenzen des eigenen Wissens kennen und abwägen, was eine Entscheidung für einen selbst und für andere bedeutet. Kurz: Intelligenz klärt, wie man etwas schafft — Weisheit fragt, ob man es tun sollte. Die Forschung zeigt, dass beides zusammenhängt, aber nur teilweise.

Was ist Weisheit? Das Berliner Weisheitsparadigma

Ein großer Teil der psychologischen Weisheitsforschung stammt aus Berlin. Paul Baltes und Ursula Staudinger vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung definierten Weisheit als Expertenwissen über die „fundamentale Pragmatik des Lebens“ — über Sinn und Führung des Lebens. Gemessen wird sie, indem Menschen laut über schwierige Lebensprobleme nachdenken, etwa über Lebensplanung oder einen Lebensrückblick. Die Antworten werden nach fünf Kriterien bewertet:

  • reiches Faktenwissen über das Leben,
  • reiches Strategiewissen (wie man mit Lebensproblemen umgeht),
  • Lebensspannen-Kontextualismus — ein Leben in seinem Zusammenhang und über die Zeit sehen,
  • Wert-Relativismus — anerkennen, dass Werte und Prioritäten verschieden sind,
  • Erkennen von und Umgang mit Ungewissheit.

Andere Ansätze ergänzen das Bild: Robert Sternberg versteht Weisheit als praktisches Wissen, das — von Werten geleitet — einem Gemeinwohl dient, als Ausgleich zwischen eigenen, fremden und übergeordneten Interessen (aufbauend auf seiner triarchischen Intelligenztheorie). Monika Ardelt misst Weisheit mit einem Fragebogen aus einem kognitiven, einem reflexiven und einem emotionalen Teil.

Wie viel von der Weisheit erklärt die Intelligenz?

Nur einen Teil. In einer Berliner Studie bearbeiteten 125 Erwachsene unterschiedlichen Alters, Bildungsstands und Berufs drei Weisheitsdilemmata und eine Testbatterie aus 12 Tests (33 Skalen) zu Intelligenz, Persönlichkeit und dem Bereich dazwischen. Zusammen sagten diese Maße rund 40 % der Unterschiede in der weisheitsbezogenen Leistung vorher. Den größten eigenen Anteil (etwa 15 %) lieferten Maße an der Schnittstelle von Persönlichkeit und Intelligenz — und keines der Maße ließ sich mit Weisheit gleichsetzen.

Was ist wichtiger für ein gutes Leben?

Eine Studie unter Leitung von Igor Grossmann mit 241 zufällig ausgewählten Erwachsenen aus Michigan bewertete, wie weise die Teilnehmenden über soziale Konflikte nachdachten. Weiseres Denken ging mit höherer Lebenszufriedenheit, besseren Beziehungen, weniger Grübeln und einer höheren Überlebensrate in den folgenden fünf Jahren einher, auch nach Berücksichtigung sozioökonomischer Faktoren, sprachlicher Fähigkeiten und Persönlichkeit. Intelligenz zeigte keinen Zusammenhang mit dem Wohlbefinden. Es ist ein Zusammenhang aus einer Stichprobe, kein Beweis für Ursache und Wirkung.

Kommt Weisheit mit dem Alter?

Teilweise. In den USA dachten Ältere weiser über soziale Konflikte nach als Jüngere, obwohl die fluide Intelligenz abnimmt. In Japan fand sich dieser Alterseffekt nicht. Und in Experimenten mit 693 Personen urteilten Jüngere (20–40) und Ältere (60–80) über eigene Beziehungskonflikte gleich weise.

Wie man weiser urteilt

Grossmann und Ethan Kross nannten es „Salomos Paradox“: Über die Probleme anderer urteilen Menschen weiser als über ihre eigenen. Wer das eigene Problem aus der Distanz betrachtet, als Beobachter von außen, gleicht diesen Unterschied aus. Dazu passt, das eigene Denken zu beobachten — die Metakognition. Verwandte Unterscheidungen behandeln Bauernschläue vs. Bücherwissen und EQ vs. IQ.

Zu dieser Seite

Ein IQ-Test, auch unserer, misst die Seite der Intelligenz — logisches Denken mit Mustern, Zahlen und Wörtern —, nicht die Weisheit. Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung zur allgemeinen Information zusammen; wo nur eine Zusammenfassung zugänglich war, geben wir nur wieder, was dort steht. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Denktest mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren und keine klinische Untersuchung. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zu den genannten Forschenden, Instituten, Hochschulen und Fachzeitschriften; Namen dienen nur der Bezeichnung der beschriebenen Forschung.

Häufige Fragen zu Weisheit und Intelligenz

Was ist Weisheit?

In der Psychologie ist Weisheit gutes Urteilsvermögen in schwierigen Lebensfragen: mehrere Sichtweisen sehen, die Grenzen des eigenen Wissens kennen, mit Unsicherheit umgehen und abwägen, was eine Entscheidung für einen selbst und für andere bedeutet. Das Berliner Weisheitsparadigma beschreibt sie als Expertenwissen über die „fundamentale Pragmatik des Lebens“.

Was ist der Unterschied zwischen Weisheit und Intelligenz?

Intelligenz ist die Fähigkeit, logisch zu denken, zu lernen und Probleme zu lösen — sie beantwortet, wie man etwas erreicht. Weisheit fragt, ob man es tun sollte und welche Folgen es für alle Beteiligten hat. Beides hängt zusammen, ist aber nicht dasselbe.

Kommt Weisheit mit dem Alter?

Nicht automatisch. In einer US-Stichprobe urteilten Ältere über soziale Konflikte weiser als Jüngere, obwohl die fluide Intelligenz im Alter nachlässt. In Japan zeigte sich dieser Alterseffekt nicht, und bei eigenen Beziehungskonflikten fanden Experimente keinen Unterschied zwischen Jüngeren und Älteren.

Kann man weiser werden?

Weises Denken hängt auch von der Situation ab. Menschen urteilen über die Probleme anderer weiser als über ihre eigenen; wer das eigene Problem bewusst aus der Distanz betrachtet — wie ein Beobachter von außen —, gleicht diesen Unterschied in Experimenten aus.

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