Spaced Repetition: verteilte Wiederholung, Karteikasten nach Leitner und was die Forschung zeigt

Spaced Repetition — auf Deutsch verteilte Wiederholung — heißt, denselben Stoff mehrmals mit Abständen von Tagen oder Wochen zu wiederholen, meist durch Selbstabfrage, statt ihn in einer Sitzung zu pauken. Dahinter steht der Spacing-Effekt, einer der am besten belegten Befunde der Gedächtnisforschung. Die Forschung beantwortet auch die Frage, die viele Lernratgeber offenlassen: wie lang die Abstände sein sollten.

Was die Forschung zeigt

  • Der Effekt ist groß und stabil. Cepeda und Kollegen (2006) werteten 839 Vergleiche aus 317 Experimenten aus: Verteiltes Lernen schlug massiertes Lernen, und der beste Abstand wuchs mit der Zeit bis zum Test. In einer Übersicht von 2013 über zehn Lerntechniken bekamen nur zwei die Note „hoher Nutzen“: verteiltes Üben und Selbsttests. Wiederlesen und Markieren schnitten schwach ab.
  • Er hält jahrelang. In einer neunjährigen Studie lernten Harry Bahrick und drei Familienmitglieder 300 Wortpaare: 13 Sitzungen im Abstand von 56 Tagen brachten ähnlich viel wie 26 Sitzungen im Abstand von 14 Tagen.
  • Das Gefühl täuscht. Bei Kornell (2009) war verteiltes Lernen mit Karteikarten für 90 % der Teilnehmenden besser — doch 72 % hielten nach der ersten Sitzung das Pauken für wirksamer.
  • Abfragen statt Wiederlesen. Karpicke und Roediger (2008): Erneutes Lesen bereits gelernter Vokabeln änderte nichts am Behalten eine Woche später, erneutes Abfragen dagegen viel.

Wie groß die Abstände sein sollten

Cepeda und Kollegen (2008) brachten über 1.350 Personen Fakten bei, wiederholten nach bis zu 3,5 Monaten und testeten bis zu ein Jahr später. Der beste Abstand, gemessen als Anteil der Zeit bis zum Test, sank von etwa 20–40 % (Test in einer Woche) auf 5–10 % (Test in einem Jahr).

Wann Sie es wissen müssenErste Wiederholung, ungefähr
Klausur in einer Wochenach 1–3 Tagen
Prüfung in einem Monatnach etwa 1 Woche
Abitur oder Staatsexamen in einem Jahrnach etwa 3–5 Wochen

Das ist eine Faustregel aus diesen Verhältnissen, kein für jedes Fach geprüftes Rezept. Müssen die Abstände immer länger werden? Eine Meta-Analyse von 2021 (Latimier, Peyre und Ramus, 29 Studien) fand keinen verlässlichen Vorteil wachsender gegenüber gleich langer Abstände. Entscheidend ist, überhaupt zu verteilen und sich dabei abzufragen.

Der Karteikasten nach Leitner

Die bekannteste Papierform stammt von dem deutschen Publizisten Sebastian Leitner, der sie 1972 in „So lernt man lernen“ beschrieb. Ein Kasten mit drei bis fünf Fächern: Fach 1 täglich, Fach 2 alle paar Tage, Fach 3 einmal pro Woche. Gewusst — eine Karte rückt ein Fach weiter. Nicht gewusst — zurück in Fach 1. Nach einigen Wochen liegen die leichten Karten hinten, und Ihre Zeit geht an die schweren. Lernkarten-Apps automatisieren genau diese Logik.

Forschung aus Kaiserslautern und Tübingen

Wann genau wiederholen? Forschende am Max-Planck-Institut für Softwaresysteme in Kaiserslautern und am Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme in Tübingen (Tabibian et al., 2019) leiteten aus Gedächtnismodellen eine Planungsregel ab und prüften sie an Daten der Sprachplattform Duolingo: Lernende, deren Wiederholungen zufällig dem Zeitplan der Regel folgten, behielten mehr als Lernende mit einfacheren festen Plänen. Für den Alltag heißt das: Die App ist weniger wichtig als die Gewohnheit, täglich ein paar Minuten abzufragen.

Spaced Repetition und IQ

Verteiltes Wiederholen verbessert das Behalten, nicht das allgemeine Denkvermögen. Gutes Wissen speist die kristalline Intelligenz, aber ein höherer IQ durch eine Lernmethode ist nicht belegt — mehr dazu unter IQ steigern. Warum wir ohne Wiederholung so schnell vergessen, erklärt unser Artikel zum Langzeitgedächtnis; für schwierige Listen lässt sich die Methode gut mit Eselsbrücken kombinieren.

Über diese Seite

Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung als allgemeine Information zusammen; die Zahlen von 2021 stammen aus dem Preprint der Autorinnen und Autoren. Sie ist keine medizinische oder pädagogische Beratung: Neue, zunehmende oder beunruhigende Gedächtnisprobleme gehören in ärztliche Abklärung. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Test für logisches Denken mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren; er ist keine klinische Untersuchung und misst nicht das Gedächtnis. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zu Duolingo, zu Lernkarten-Apps oder zu den genannten Forschenden, Instituten, Zeitschriften und Verlagen; die Namen dienen nur dazu, die Forschung zu benennen.

Häufige Fragen zu Spaced Repetition

Was ist Spaced Repetition?

Spaced Repetition (verteilte Wiederholung) heißt: Sie wiederholen denselben Stoff mehrmals mit Abständen von Tagen oder Wochen, am besten, indem Sie sich selbst abfragen, statt alles in einer Sitzung zu pauken. Grundlage ist der Spacing-Effekt: Dieselbe Lernzeit, verteilt, bleibt deutlich länger im Gedächtnis als am Stück.

Wie funktioniert der Karteikasten nach Leitner?

Sebastian Leitner beschrieb 1972 einen Karteikasten mit mehreren Fächern. Neue Karten stehen im ersten Fach, das Sie am häufigsten wiederholen. Gewusste Karten wandern ein Fach weiter und kommen seltener dran; nicht gewusste Karten gehen zurück ins erste Fach. So landen die schweren Karten am häufigsten vor Ihnen.

Wie groß sollten die Abstände sein?

Je länger Sie etwas behalten müssen, desto größer der Abstand. In einer Studie mit über 1.350 Personen lag der beste erste Abstand bei etwa 20–40 % der Zeit bis zur Prüfung, wenn diese eine Woche entfernt war, und bei 5–10 %, wenn sie ein Jahr entfernt war. Für die Klausur nächste Woche heißt das: nach ein bis zwei Tagen wiederholen; fürs Abitur in einem Jahr nach etwa drei bis fünf Wochen.

Macht Spaced Repetition intelligenter?

Nein. Sie behalten länger, was Sie lernen, und das hilft bei Wissensprüfungen. Für eine Steigerung des allgemeinen Denkvermögens, das IQ-Tests messen sollen, gibt es keine Belege.

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