Metakognition: Bedeutung, Beispiele — und hängt sie mit dem IQ zusammen?

Metakognition ist das Denken über das eigene Denken: zu wissen, wie man lernt, zu bemerken, ob man etwas wirklich verstanden hat, und umzusteuern, wenn nicht. Das tut jeder — etwa wenn man merkt, dass man eine Seite gelesen und nichts behalten hat. Entscheidend ist, wie genau diese Selbsteinschätzung ist. Und hier liegt die Überraschung: Metakognition hängt nur schwach mit dem IQ zusammen und sagt Lernerfolg auch dann voraus, wenn Intelligenz herausgerechnet ist.

Was Metakognition bedeutet

Der Begriff stammt von dem US-Entwicklungspsychologen John Flavell (1979), der beschreiben wollte, was Kinder über ihr eigenes Gedächtnis und Verstehen wissen. Heute unterscheidet die Forschung zwei Teile:

  • Metakognitives Wissen: was man über den eigenen Kopf, über Aufgaben und über Strategien weiß — etwa „Ich vergesse Namen, wenn ich sie nicht aufschreibe“.
  • Metakognitive Steuerung: planen, überwachen, bewerten — etwa eine Rechnung prüfen, deren Ergebnis verdächtig glatt aussieht.

Ein einflussreiches Modell von Thomas Nelson und Louis Narens (1990) beschreibt das als Kreislauf: Informationen steigen vom Denken zu einer beobachtenden Ebene auf (Überwachung, etwa das Gefühl, eine Antwort zu wissen), und Anweisungen gehen zurück (Kontrolle, etwa die Entscheidung, ein Thema noch einmal zu lernen). Ist das Gefühl falsch, ist jede Entscheidung, die darauf aufbaut, ebenfalls falsch.

Metakognition und IQ

Die größte Auswertung ist eine Metaanalyse von 2018 mit 149 Stichproben aus 118 Studien. Metakognition hing nur schwach mit Intelligenz und schwach mit Schulleistung zusammen — und sie sagte die Leistung auch dann noch voraus, wenn Intelligenz kontrolliert wurde. Wie stark der Zusammenhang ausfiel, hing davon ab, wie Metakognition gemessen wurde: Fragebögen über Lerngewohnheiten und Labortests der eigenen Sicherheit messen nicht dasselbe.

Eine Studie in Science von 2010 trennte die Fähigkeit, eigene richtige von falschen Entscheidungen zu unterscheiden, von der Leistung in der Aufgabe selbst. Diese Fähigkeit schwankte bei gleicher Leistung deutlich von Mensch zu Mensch und hing mit der Struktur des vorderen Stirnhirns zusammen. Kurz: Ein Problem gut lösen und wissen, wann man richtigliegt, sind verwandte, aber trennbare Fähigkeiten. Wie es um die Selbsteinschätzung der eigenen Leistung steht, behandelt unser Beitrag zum Dunning-Kruger-Effekt.

Warum das Gefühl, etwas zu können, täuscht

  • Wiederlesen fühlt sich besser an, als es wirkt. In einer Studie von 2006 waren Studierende, die einen Text erneut lasen, sicherer als jene, die sich selbst abfragten — nach zwei Tagen und nach einer Woche erinnerten sich die Abgefragten aber deutlich besser.
  • Flüssigkeit wird mit Lernen verwechselt. 2008 lernten Versuchspersonen Malstile besser, wenn die Bilder gemischt statt im Block gezeigt wurden. Die meisten hielten den Block dennoch für wirksamer — selbst nachdem ihr eigenes Testergebnis das Gegenteil gezeigt hatte.
  • Zu früh urteilen macht zu sicher. Wer etwas später statt direkt nach dem Lernen einschätzt, ob er es kann, liegt genauer (beschrieben 1992): Dann prüft man, ob man es abrufen kann, nicht, ob es noch vor einem liegt.

Metakognitive Strategien mit Evidenz

Eine Übersichtsarbeit von 2013 bewertete zehn verbreitete Lerntechniken. Hoch: sich selbst abfragen und verteiltes Lernen. Mittel: „Warum ist das so?“ fragen, sich selbst erklären, Themen abwechseln. Niedrig: Zusammenfassen, Markieren, Eselsbrücken mit Schlüsselwörtern, Bildvorstellungen beim Textlernen und Wiederlesen. Ausgerechnet Markieren und Wiederlesen — die beliebtesten Techniken — stehen unten. Daraus werden Gewohnheiten:

  • Planen: vorher aufschreiben, was man am Ende können muss.
  • Mit Abruf überwachen: Buch zu, Idee erklären. Was man nicht hervorbringt, sitzt noch nicht.
  • Mit Abstand urteilen: am nächsten Tag entscheiden, was man wiederholt.
  • Bewerten: Fehler nach „nicht gewusst“ und „gewusst, aber verrutscht“ sortieren.

Planen und Umsteuern greifen auf die exekutiven Funktionen zurück; die Gewohnheit, eigene Schlüsse zu prüfen, ist der Kern von kritischem Denken.

Entwicklung und Training

Eine Übersichtsarbeit von 2021 fasst zusammen: Wissen über das eigene Denken zeigt sich um das 5. Lebensjahr, gezielte Steuerung um das 8., und beides entwickelt sich bis in die Jugend weiter. Anfangs ist es an bestimmte Tätigkeiten gebunden und wird mit dem Alter allgemeiner. Metakognitiver Unterricht zeigt positive Effekte von der Grundschule bis zur Universität. Im Schulkontext wird das Thema in Deutschland oft unter dem Stichwort „selbstreguliertes Lernen“ behandelt.

Einordnung und Grenzen

Dieser Beitrag erklärt veröffentlichte Forschung in allgemeiner Form. Unser IQ-Test misst schlussfolgerndes Denken, nicht Metakognition; Ihr Ergebnis sagt nichts darüber, wie genau Sie Ihr eigenes Denken einschätzen.

IQ Revealed ist nicht mit den genannten Forschenden, Universitäten, Fachzeitschriften oder Verlagen verbunden und wird von ihnen nicht unterstützt. Die Namen dienen nur dazu, die beschriebenen Arbeiten zu benennen.

Häufige Fragen zur Metakognition

Was ist Metakognition?

Metakognition ist das Nachdenken über das eigene Denken: zu wissen, wie man lernt und sich erinnert, zu bemerken, ob man etwas wirklich verstanden hat, und die Vorgehensweise zu ändern, wenn sie nicht funktioniert. Den Begriff führte der Entwicklungspsychologe John Flavell 1979 ein. Die Forschung unterscheidet metakognitives Wissen und metakognitive Steuerung — Planen, Überwachen und Bewerten.

Was ist ein Beispiel für Metakognition?

Sie merken nach drei Absätzen, dass Sie nichts davon aufgenommen haben, und lesen noch einmal. Weitere Beispiele: für ein Kapitel lieber eine Übungsfrage als ein zweites Durchlesen wählen; eine Antwort prüfen, weil sie zu leicht kam; wissen, dass man sich Namen schlecht merkt, und sie deshalb notieren.

Hängt Metakognition mit dem IQ zusammen?

Nur schwach. Eine Metaanalyse von 2018 über 149 Stichproben aus 118 Studien fand einen schwachen Zusammenhang mit Intelligenz — und Metakognition sagte Schulleistungen auch dann noch vorher, wenn Intelligenz herausgerechnet war. Wer klug ist, beurteilt sein eigenes Denken also nicht automatisch gut.

Welche metakognitiven Strategien funktionieren?

Am besten belegt sind: sich selbst abfragen statt noch einmal lesen, Lernzeit über mehrere Tage verteilen, erst mit etwas Abstand beurteilen, was man kann, und vor einer Aufgabe festlegen, woran man ein gutes Ergebnis erkennt.

Kann man Metakognition trainieren?

Ja. Übersichtsarbeiten berichten positive Effekte metakognitiven Unterrichts von der Grundschule bis zur Universität, am stärksten, wenn mehrere Strategien — vor allem Planen — zusammen mit dem Wissen vermittelt werden, wann und warum sie wirken.

Was unser Test misst: schlussfolgerndes Denken

Unser IQ-Test misst Denken, nicht Metakognition. Die Teilnahme ist kostenlos und dauert etwa 25 Minuten; der vollständige Bericht — Punktwert, Perzentil und Ergebnis je Denkbereich — gehört zur Mitgliedschaft.

IQ-Test starten

Mehr zum Thema