Growth Mindset vs. Fixed Mindset: was die Forschung wirklich zeigt

Ein Growth Mindset ist die Überzeugung, dass Intelligenz und Fähigkeiten durch Anstrengung, gute Strategien und Unterstützung wachsen können; ein Fixed Mindset ist die Überzeugung, dass sie weitgehend festgelegt sind. Das Konzept stammt von Carol Dweck. Es beschreibt etwas Reales — wie Menschen auf Misserfolg reagieren —, doch drei Jahrzehnte Forschung zeigen: Der Effekt auf Noten ist klein, und dass der Glaube selbst intelligenter macht, ist nicht belegt.

Growth Mindset vs. Fixed Mindset: woher die Begriffe kommen

In der Fachliteratur heißen die beiden Haltungen implizite Intelligenztheorien: Intelligenz als feste Größe oder als veränderbare Fähigkeit. In der deutschen Ausgabe von Dwecks Buch wurden sie als statisches und dynamisches Selbstbild übersetzt — gesucht wird in Deutschland aber fast nur der englische Begriff. Gemessen wird das Mindset mit Aussagen darüber, ob man eine bestimmte Menge Intelligenz hat und wenig daran ändern kann. Wer widerspricht, gilt als wachstumsorientiert.

Fixed MindsetGrowth Mindset
Ziel bei einer AufgabeFähig wirkenBesser werden
Bedeutung eines FehlersZeichen geringer BegabungStrategie oder Einsatz ändern
Nach einem MisserfolgWeniger Ausdauer, weniger FreudeMehr Ausdauer

Die Tabelle folgt Claudia Muellers und Dwecks Lob-Experimenten von 1998: Fünftklässler, die für ihre Intelligenz gelobt wurden, zeigten nach einem Misserfolg weniger Ausdauer, weniger Freude und schlechtere Leistung als Kinder, die für ihre Anstrengung gelobt wurden.

Wie verbreitet ist es in Deutschland?

PISA 2018 fragte 15-Jährige, ob ihre Intelligenz etwas ist, das sie nicht sehr verändern können. Laut OECD-Länderbericht widersprachen in Deutschland 74 %; im OECD-Durchschnitt war es eine Mehrheit von rund 63 %. Die OECD beschreibt einen Zusammenhang mit besseren Leistungen in fast allen Bildungssystemen. Ein Zusammenhang ist allerdings noch kein Beleg dafür, dass die Haltung die Leistung verursacht.

Ist das Growth Mindset widerlegt? Was die Forschung zeigt

  • 2018: Zwei Metaanalysen (Sisk, Macnamara und Kollegen) mit 273 Studien und 365.915 Lernenden sowie 43 Interventionsstudien mit 57.155 Lernenden: insgesamt schwache Effekte, mögliche Vorteile für Lernende aus einkommensschwachen Familien oder mit Schulproblemen.
  • 2019: Ein landesweites, vorregistriertes Experiment in US-Schulen (Yeager und Kollegen): Eine Online-Einheit von unter einer Stunde verbesserte die Noten leistungsschwächerer Lernender, vor allem dort, wo die Normen unter Gleichaltrigen zur Botschaft passten.
  • 2019: Eine Wiederholung der Lob-Experimente mit 624 Kindern in China (Li und Bates) bestätigte keines der acht Motivationsmaße.
  • 2023: Macnamara und Burgoyne werteten 63 Studien aus: d = 0,05, nach Korrektur für Publikationsverzerrung nicht signifikant, in den sechs besten Studien d = 0,02. Burnette und Kollegen fanden im selben Heft d = 0,14 für Schulleistung, wenn Programme wie geplant bei den Zielgruppen umgesetzt wurden.

Zusammen gelesen: Eine allgemeine Mindset-Botschaft für alle bewegt die Durchschnittsnoten kaum. Ein gut umgesetztes Programm für Lernende mit Schwierigkeiten kann ein wenig helfen.

Macht ein Growth Mindset intelligenter?

Bei 5.653 tschechischen Studienbewerbern hing das Mindset praktisch nicht mit dem Ergebnis eines Studierfähigkeitstests zusammen (r = −0,03) und sagte auch keine Verbesserung bei einer Wiederholung voraus. Das heißt nicht, dass Intelligenz starr ist: Unterschiede sind teils erblich (ist Intelligenz vererbbar?), und jedes zusätzliche Schuljahr bringt schätzungsweise 1 bis 5 IQ-Punkte. Wie sich das Gehirn durch Übung verändert, erklärt Neuroplastizität; was den IQ tatsächlich erhöht, steht unter IQ steigern. Wie genau Menschen ihr eigenes Können einschätzen, behandelt der Dunning-Kruger-Effekt.

Hinweise zu Umfang und Grenzen

Dieser Text ist informativ und keine psychologische, pädagogische oder medizinische Beratung. Unser IQ-Test misst Denkleistung, nicht das Mindset.

IQ Revealed ist nicht mit Carol Dweck, der Stanford University, der OECD oder ihrem PISA-Programm, den Verlagen von Mindset bzw. Selbstbild oder den hier genannten Universitäten, Zeitschriften und Forschenden verbunden und wird von ihnen nicht unterstützt. Quellen: Mueller und Dweck (1998), Sisk u. a. (2018), Yeager u. a. (2019), Li und Bates (2019), Bahník und Vranka (2017), Macnamara und Burgoyne (2023), Burnette u. a. (2023), Ritchie und Tucker-Drob (2018), OECD PISA 2018 Länderbericht Deutschland.

Häufige Fragen zum Growth Mindset

Was versteht man unter Growth Mindset?

Ein Growth Mindset ist die Überzeugung, dass Intelligenz und Fähigkeiten durch Anstrengung, gute Strategien und Unterstützung wachsen können. Das Gegenteil, das Fixed Mindset, ist die Überzeugung, dass Intelligenz weitgehend festgelegt ist. Die Begriffe gehen auf die Stanford-Psychologin Carol Dweck zurück; in der deutschen Ausgabe ihres Buchs heißen sie dynamisches und statisches Selbstbild.

Ist das Growth Mindset widerlegt?

Nicht widerlegt, aber deutlich kleiner als sein Ruf. Zwei Metaanalysen von 2018 mit über 365.000 Schülerinnen und Schülern fanden insgesamt nur schwache Effekte. Eine Übersichtsarbeit von 2023 fand in den methodisch besten Studien keinen signifikanten Effekt auf Leistungen; eine zweite fand kleine Vorteile für gezielte Gruppen, etwa leistungsschwächere Lernende.

Macht ein Growth Mindset intelligenter?

Dafür gibt es keine guten Belege. In einer tschechischen Studie mit 5.653 Studienbewerbern hing das Mindset praktisch nicht mit dem Ergebnis eines Studierfähigkeitstests zusammen (r = −0,03). Was gemessene Intelligenz nachweislich erhöht, ist anhaltendes Lernen: Jedes zusätzliche Schuljahr bringt schätzungsweise 1 bis 5 IQ-Punkte.

Welche Beispiele gibt es für ein Growth Mindset?

„Ich kann das noch nicht“ statt „Ich kann das nicht“; nach einer schlechten Note fragen, welcher Aufgabentyp Punkte gekostet hat; die schwierigere Aufgabe wählen; die Strategie loben statt „Du bist so schlau“. Das beschreibt die Haltung — ob das gezielte Einüben solcher Sätze Noten verbessert, ist kaum belegt.

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