Kinästhetische Intelligenz: Bedeutung, Beispiele und Forschung
Kinästhetische Intelligenz — vollständig körperlich-kinästhetische Intelligenz — ist die Fähigkeit, den ganzen Körper oder Teile davon, etwa die Hände, einzusetzen, um Probleme zu lösen oder etwas herzustellen: das Können einer Tänzerin, eines Sportlers, einer Chirurgin oder eines Schreiners. Sie ist eine der sieben ursprünglichen Intelligenzen in Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen. Einen normierten Test gibt es nicht, und im direktesten Test der Theorie hingen ihre beiden Aufgaben — Gleichgewicht und Fingerfertigkeit — kaum miteinander und kaum mit allgemeinem Denken zusammen.
Herkunft und Beispiele
Gardner zählte sie 1983 in Frames of Mind zu den sieben Intelligenzen: das Potenzial, den ganzen Körper oder Körperteile zum Lösen von Problemen oder zum Herstellen von Produkten zu nutzen. Seine Beispiele sind bewusst breit — Tänzer, Schauspieler und Sportler, aber auch Handwerker, Chirurgen und Mechaniker. Eine Intelligenz umfasst damit Grobmotorik (Gleichgewicht, Kraft, Koordination des ganzen Körpers) und Feinmotorik (präzise Kontrolle der Hände). Beispiele: die Turnerin auf dem Schwebebalken, der Handballtorwart, der den Wurf liest, die Schneiderin, der Kfz-Mechaniker, der den Fehler ertastet. Alle Intelligenzen Gardners stehen unter Arten von Intelligenz; zuletzt erschienen ist die naturalistische Intelligenz.
Nicht dasselbe wie der „haptische Lerntyp“
Kinästhetische Intelligenz beschreibt eine Fähigkeit. Der haptische oder kinästhetische Lerntyp stammt aus den Lernstilen und ist eine Aussage über Unterricht: Manche lernten jedes Fach — Geschichte, Chemie, Englisch — besser über Bewegung und Anfassen. Das wurde geprüft und hält nicht: Harold Pashler, Mark McDaniel, Doug Rohrer und Robert Bjork fanden 2008 reichlich Belege für Vorlieben, aber praktisch keine dafür, dass Unterricht im bevorzugten Stil mehr Lernerfolg bringt. Gardner erklärte 2013 in einem Artikel selbst, dass multiple Intelligenzen keine Lernstile sind und beides oft verwechselt wird.
Was der Test ergab
Beth Visser, Michael Ashton und Philip Vernon gaben 2006 200 Erwachsenen je zwei Tests für jede der acht Intelligenzen Gardners und einen Test der allgemeinen geistigen Fähigkeit. Für die kinästhetische Intelligenz: den Stork Stand (auf dem Fußballen eines Beins stehen, Hände in den Hüften, gemessen bis zum Gleichgewichtsverlust) und Mark Making (in 60 Sekunden möglichst viele gleiche kleine Zeichen in ein Kästchenraster setzen). Keiner der beiden hing signifikant mit dem allgemeinen Test zusammen; beide luden unter 0,10 auf dem Generalfaktor (Gleichgewicht 0,03) — für die Autoren ein Beleg, dass Körpergeschick tatsächlich etwas anderes ist als die kognitiven Fähigkeiten, die der g-Faktor beschreibt. Untereinander korrelierten die beiden aber nur etwa 0,13, nicht signifikant: Gleichgewicht und Fingerfertigkeit bilden keinen zusammenhängenden Bereich. Die Selbsteinschätzung traf das Gleichgewicht, nicht die Fingerfertigkeit. Lynn Waterhouse (2006) sah für die Theorie insgesamt keine ausreichenden Belege; Gardner und Seana Moran widersprachen. Trainieren lässt sich jede motorische Fertigkeit — aber jeweils nur durch Üben genau dieser Fertigkeit, mit Rückmeldung.
Über diese Seite
Ein IQ-Test, auch unserer, misst logisches Denken mit Mustern, Zahlen und Wörtern, nicht Gleichgewicht, Koordination oder Geschick. Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung zur allgemeinen Information zusammen; die Daten von 2006 stammen aus der vollständigen Abschlussarbeit der Autorin, die Lernstil-Übersicht aus ihrer veröffentlichten Zusammenfassung. Nichts hier beurteilt die motorische Entwicklung oder eine Erkrankung — Fragen zur Koordination eines Kindes gehören in die kinderärztliche oder ergotherapeutische Praxis. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Test des logischen Denkens mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren und keine klinische Untersuchung. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zu Howard Gardner oder den übrigen genannten Forschenden, Universitäten, Fachzeitschriften und Publikationen.
Häufige Fragen zur kinästhetischen Intelligenz
Was ist kinästhetische Intelligenz?
Kinästhetische (körperlich-kinästhetische) Intelligenz ist die Fähigkeit, den ganzen Körper oder Teile davon, etwa die Hände, zum Lösen von Problemen oder zum Herstellen von Dingen einzusetzen. Sie gehört zu den ursprünglichen sieben Intelligenzen in Howard Gardners Theorie der multiplen Intelligenzen aus Frames of Mind (1983). Gardner nennt Tänzer, Schauspieler und Sportler, aber auch Handwerker, Chirurgen und Mechaniker.
Ist das dasselbe wie ein haptischer oder kinästhetischer Lerntyp?
Nein. Kinästhetische Intelligenz beschreibt eine Fähigkeit: Geschick mit dem Körper. Der ‚haptische Lerntyp‘ stammt aus der Lehre von den Lernstilen — der Annahme, manche lernten jedes Fach besser durch Bewegung und Anfassen. Eine Übersichtsarbeit von 2008 (Pashler und Kollegen) fand praktisch keine Belege, dass Unterricht im bevorzugten Stil besser wirkt. Gardner selbst schrieb, dass multiple Intelligenzen keine Lernstile sind.
Hängt kinästhetische Intelligenz mit dem IQ zusammen?
Kaum, nach dem direktesten Test. In einer Studie von 2006 mit 200 Erwachsenen hingen ein Gleichgewichts- und ein Geschicklichkeitstest fast nicht mit einem Test der allgemeinen geistigen Fähigkeit zusammen. Sehr geschickt oder sehr ungeschickt zu sein, sagt fast nichts über den IQ.
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