Lerntypen: die vier Typen und was die Forschung dazu sagt

Die vier Lerntypen — visuell, auditiv, lesend/schreibend und kinästhetisch — beschreiben eine echte Vorliebe. Das Versprechen, das daran hängt, hält der Prüfung nicht stand. Unterricht, der auf den eigenen Lerntyp zugeschnitten wird, hat in kontrollierten Studien keinen Lernvorteil gebracht. Diese Seite zeigt die Typen, ihre Herkunft, die Befunde — und was stattdessen wirkt.

Die vier Lerntypen

LerntypBevorzugte FormTypischer Satz
VisuellGrafiken, Diagramme, Karten, Struktur„Zeichne es mir auf“
AuditivVortrag, Gespräch, lautes Erklären„Erklär es mir einmal“
Lesend/schreibendTexte, Listen, Mitschriften, Skripte„Gib mir das Skript“
Kinästhetisch (haptisch)Ausprobieren, Übung, Anschauungsbeispiele„Lass es mich selbst machen“

Zwei Details gehen in der populären Fassung meist verloren: Die meisten Menschen sind im Fragebogen Mischtypen, und „kinästhetisch“ meint im Original das Lernen über Erfahrung und Übung — nicht die Notwendigkeit, sich beim Lernen zu bewegen.

Woher der deutsche Begriff kommt

International stammt die Einteilung aus dem VARK-Fragebogen, den Neil Fleming und Coleen Mills 1992 in To Improve the Academy vorstellten — ausdrücklich als „Anstoß zum Nachdenken“, nicht als Diagnose. Im deutschsprachigen Raum ist der Begriff daneben von Frederic Vester geprägt, dessen Buch Denken, Lernen, Vergessen (1975) vier Lerntypen populär machte. Die Fachdidaktik hat sich von Vesters Einteilung längst distanziert; in Schulen, Ratgebern und Online-Tests lebt sie weiter.

Was die Prüfung ergibt

Entscheidend ist nicht, ob es Vorlieben gibt — die gibt es. Entscheidend ist die Meshing-Hypothese: dass Unterricht am besten in dem Format erfolgt, das die lernende Person bevorzugt. Pashler und Kollegen hielten 2008 fest, dass diese Idee „großen Einfluss im Bildungsbereich“ habe und eine „florierende Industrie“ aus Tests und Fortbildungen trage — und dass ein Nachweis ein sehr spezielles Versuchsdesign verlangt, das kaum eine Studie verwendet hatte.

Zwei Studien, die es verwendet haben. Rogowsky, Calhoun und Tallal ließen 2015 Erwachsene denselben Sachtext entweder hören oder lesen, nachdem die Präferenz erhoben worden war: kein statistisch bedeutsamer Vorteil, weder sofort noch nach zwei Wochen. Husmann und O'Loughlin verfolgten 2019 426 Anatomie-Studierende: Die meisten lernten gar nicht so, wie ihr eigenes VARK-Ergebnis es nahelegte — und wer es tat, schnitt deswegen nicht besser ab. Mit der Note hingen einzelne Lernstrategien zusammen, unabhängig vom Lerntyp.

Warum fast alle es trotzdem glauben

Weil es gelehrt, weitergegeben und verkauft wird. Newton und Salvi werteten 2020 37 Studien mit 15.405 Lehrkräften aus 18 Ländern aus: 89,1 % hielten es für wirksam, Unterricht an Lerntypen anzupassen — bei angehenden Lehrkräften 95,4 %. Ein Rückgang im Lauf der Jahre war nicht erkennbar. Wer in der Schule gehört hat, er sei ein visueller Typ, hat es von jemandem gehört, der es selbst geglaubt hat.

Was stattdessen wirkt

Dunlosky, Rawson, Marsh, Nathan und Willingham prüften 2013 zehn verbreitete Lerntechniken und vergaben nur an zwei die Bestnote:

  • Sich abfragen — den Stoff aus dem Gedächtnis abrufen (Karteikarten, alte Klausuren, Buch zu und aufschreiben), statt ihn erneut zu lesen.
  • Verteiltes Lernen — dieselbe Lernzeit über mehrere Tage verteilt statt in einer Sitzung gebündelt.

Beide bekamen die Bestnote, weil sie „Lernenden unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Fähigkeit nützen“ und über viele Aufgabenarten hinweg wirken. Markieren und Wiederlesen — das, was Studierende am häufigsten tun — wurden als wenig nützlich eingestuft. Sinnvoll bleibt eine andere Version der Formatfrage: das Format zum Stoff passen lassen, nicht zur Person. Geografie braucht Karten, Musik braucht Klang — für alle im Raum.

Lerntyp, Intelligenzarten und IQ

Drei verschiedene Aussagen, die ständig vermischt werden. Ein Lerntyp ist eine Formatvorliebe; die Arten von Intelligenz sind eine Aussage über Fähigkeiten; ein IQ-Test misst enger als beide — schlussfolgerndes Denken, sprachliches und numerisches Problemlösen, Arbeitsgedächtnis, Verarbeitungsgeschwindigkeit — und gibt eine Zahl auf der IQ-Skala zurück. Keine der drei sagt Ihnen, wie Sie unterrichtet werden sollten.

Grenzen dieser Seite

Dieser Text ist informativ. Er stellt keine Diagnose, gibt keine Empfehlung für Schullaufbahnen und bewertet weder einzelne Lernende noch einzelne Lehrkräfte.

IQ Revealed ist mit VARK Learn Limited, Neil Fleming, David Kolb, den Erben Frederic Vesters und den Herausgebern der hier genannten Fragebögen nicht affiliiert und wird von ihnen weder unterstützt noch beauftragt. Sie werden genannt, damit jede Aussage auf die Arbeit zurückführbar bleibt, aus der sie stammt. Wörtliche Zitate stammen aus den veröffentlichten Abstracts der genannten Arbeiten.

Wenn hinter dem Interesse an Lerntypen eigentlich die Frage steht, wie man geistig weiterkommt, ist die Belegsammlung dazu hier: kann man den IQ steigern — einschließlich der Frage, was Gehirnjogging wirklich bringt.

Häufige Fragen zu Lerntypen

Welche vier Lerntypen gibt es?

Visuell, auditiv, lesend/schreibend und kinästhetisch (haptisch). Das ist die VARK-Einteilung aus dem Fragebogen von Neil Fleming und Coleen Mills (1992). Im deutschsprachigen Raum ist zusätzlich die Einteilung von Frederic Vester verbreitet. Beide beschreiben bevorzugte Darbietungsformen — keine Gehirntypen. Die meisten Menschen kommen im Fragebogen als Mischtyp heraus.

Welche 5 oder 10 Lerntypen gibt es?

Eine wissenschaftliche Liste mit fünf oder zehn Lerntypen gibt es nicht. Deutsche Ratgeber, die fünf nennen, ergänzen Vesters vier meist um einen „personenorientierten“ oder „kommunikativen“ Typ; noch längere Listen mischen Begriffe aus anderen Modellen dazu, etwa aus Gardners Intelligenztheorie. Die Zahl ist eine Eigenschaft der jeweiligen Liste, nicht das Ergebnis einer Untersuchung — und eine längere Liste ist kein neuerer Forschungsstand.

Gibt es Lerntypen wirklich?

Vorlieben gibt es, den versprochenen Nutzen nicht. Menschen können zuverlässig angeben, wie sie Informationen gern aufbereitet hätten. Was der Prüfung nicht standhält, ist die sogenannte Meshing-Hypothese: dass Unterricht im bevorzugten Format zu mehr Lernerfolg führt. Pashler, McDaniel, Rohrer und Bjork prüften die Belege 2008 für Psychological Science in the Public Interest und fanden sie unzureichend; die seither sauber angelegten Experimente fielen ebenso aus.

Bin ich ein visueller Lerntyp?

Möglicherweise bevorzugen Sie Grafiken und Text — daraus folgt aber nicht, dass Sie mehr lernen, wenn alles in Bilder übersetzt wird. Rogowsky, Calhoun und Tallal prüften 2015 genau das: Erwachsene wurden auf eine auditive oder visuelle Präferenz getestet und lernten denselben Stoff entweder als Hörbuch oder als E-Text. Das Textverständnis zeigte keinen statistisch bedeutsamen Zusammenhang mit der Präferenz — weder sofort noch zwei Wochen später.

Was bringt der Lerntypen-Test dann?

Als Anlass zum Nachdenken über das eigene Lernen ist er brauchbar; genau so war der ursprüngliche Fragebogen gemeint. Als Anweisung, wie unterrichtet werden soll, ist er nicht gedeckt. Wer Zeit investieren will, investiert sie besser in die Lerntechnik: sich abfragen statt nachlesen, und den Stoff über mehrere Tage verteilen.

Was ist der Unterschied zu den Intelligenzarten?

Lerntypen sind eine Aussage über den Unterricht — unterrichte mich in meinem Format, dann lerne ich mehr. Gardners multiple Intelligenzen sind eine Aussage über Fähigkeiten. Zwei verschiedene Theorien von zwei verschiedenen Autoren; Gardner selbst wehrt sich seit Jahren dagegen, dass seine Theorie als Lerntypen-Fragebogen benutzt wird.

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