Stroop-Test: der Stroop-Effekt erklärt, mit Originaldaten

Der Stroop-Effekt ist die Verzögerung, die auftritt, wenn man die Druckfarbe eines Wortes nennen soll, das eine andere Farbe bezeichnet — etwa „blau“ sagen, wenn das Wort ROT in blauer Farbe gedruckt ist. Für geübte Leser läuft das Lesen so automatisch ab, dass die Wortbedeutung die Farbbenennung stört. Der darauf aufbauende Stroop-Test, im Deutschen auch Farbe-Wort-Interferenztest genannt, gehört zu den meistgenutzten Aufgaben der Neuropsychologie. Er misst Interferenzkontrolle und hängt nur schwach mit dem IQ zusammen.

Stroops Experimente von 1935 in Zahlen

ExperimentVergleich (je 100 Items)Ergebnis
1 — 70 StudierendeFarbwörter lesen: schwarz gedruckt oder in widersprüchlicher Farbe2,3 s langsamer (5,6 %), laut Stroop nicht verlässlich
2 — 100 StudierendeFarbquadrate benennen oder Druckfarbe widersprüchlicher Wörter63,3 s gegen 110,3 s — 74 % langsamer
3 — acht Tage ÜbungTägliches Üben mit widersprüchlichen WörternDie Interferenz sank, verschwand aber nicht

Entscheidend ist die Asymmetrie: Farben stören das Lesen kaum, Wörter stören das Farbbenennen stark. Lesen ist der schnellere, besser geübte Weg zur gesprochenen Antwort; widersprechen sich beide Wege, muss die automatische Antwort unterdrückt werden. Deshalb gilt die Stroop-Aufgabe als Paradebeispiel für selektive Aufmerksamkeit und für die Hemmungskomponente der exekutiven Funktionen. Acht Tage Übung verkürzten in Stroops drittem Experiment die Zeit für die widersprüchlichen Karten um 33,9 Prozent des Mittelwerts vom ersten Tag.

Wie der Test in der Praxis aussieht

Die bekannteste Fassung nach Charles Golden (1978) hat drei Seiten mit Zeitlimit: Farbwörter in Schwarz lesen, Farbflecken benennen und die Farbe-Wort-Seite, auf der die Druckfarbe genannt wird. Gezählt wird, wie viele Items in 45 Sekunden je Seite richtig benannt werden. Andere Fassungen wie der Victoria-Stroop-Test messen die Zeit pro Karte und die Fehler. Eine Übersichtsarbeit von 2017 fand, dass keine der üblichen Auswertungsmethoden den Effekt vollständig erfasst, und empfahl, Tempo und Genauigkeit in allen drei Bedingungen gemeinsam zu betrachten. Normen sind unverzichtbar: In einer Maastrichter Studie mit 1.856 gesunden Erwachsenen hingen die Zeitwerte stark von Alter, Geschlecht und Bildung ab. Ältere Menschen sind auf allen Seiten langsamer; eine Metaanalyse von 1998 erklärt ihren Mehraufwand bei den Konflikt-Items mit allgemeiner Verlangsamung statt mit einem eigenen Stroop-Defizit.

Die Zürcher Studie: Gibt es die eine Hemmungsfähigkeit?

Rey-Mermet, Gade und Oberauer von der Universität Zürich gaben 2018 jungen und älteren Erwachsenen elf etablierte Hemmungsaufgaben, darunter den Farb-Stroop und einen Zahlen-Stroop. Jede Aufgabe war für sich zuverlässig, doch untereinander korrelierten sie nur schwach. Ältere schnitten beim Unterdrücken dominanter Reaktionen schlechter ab, beim Ausblenden störender Reize aber besser. Das Fazit der Autoren: Die Ergebnisse stellen sowohl „Inhibition“ als einheitliches Messkonstrukt als auch die Annahme eines allgemeinen Hemmungsdefizits im Alter infrage.

Stroop-Test und IQ

Eine Studie von Naomi Friedman, Akira Miyake und Kollegen (2006) fand: Hemmen und Umschalten hingen nur gering und nicht signifikant mit der Intelligenz zusammen, das Aktualisieren des Arbeitsgedächtnisses dagegen stark. Forschende aus Cardiff testeten zudem sieben klassische Aufgaben, darunter den Stroop, zweimal: Die Retest-Reliabilität reichte von 0 bis 0,82 und war bei den meisten überraschend niedrig — das sogenannte Reliabilitätsparadox. Eine schnelle Stroop-Zeit bedeutet also gute Interferenzkontrolle, keinen hohen IQ. Den g-Faktor erfassen Denktests wie die Raven-Matrizen weit direkter.

ADHS und emotionaler Stroop

Eine Metaanalyse der Universität Utrecht (2007) fand bei ADHS im Mittel 0,24 Standardabweichungen Unterschied mit dem üblichen Differenzwert und über 19 Studien hinweg durchgängig mehr Interferenz mit einem Quotientenwert. Das sind Gruppenmittel: Viele Menschen mit ADHS liegen im Normbereich, eine ADHS-Diagnose ist mit dem Test nicht möglich. Beim emotionalen Stroop sind die Wörter mit einem Thema verknüpft; eine Übersicht von 1996 zeigte, dass Patientinnen und Patienten bei Wörtern zu ihrem eigenen Problem oft langsamer die Farbe nennen — ein Forschungswerkzeug, kein Diagnoseverfahren.

Stroop-Test online und über diese Seite

Kostenlose Online-Versionen zeigen den Effekt gut, arbeiten aber meist mit Klicks statt Sprechen und haben keine Normen. Üben macht schneller bei genau dieser Aufgabe, wie schon Stroop zeigte; dass das die Intelligenz steigert, ist nicht belegt. Der Test von IQ Revealed besteht aus 40 eigenen Denkaufgaben; er ist kein Stroop-Test, nutzt kein Stroop-Material, misst keine Interferenzkontrolle und stellt keine Diagnosen. Farbsehschwäche, Leseschwierigkeiten und manche Medikamente verändern Stroop-Ergebnisse ebenfalls. Nur Fachleute können den Test für eine Person durchführen und auswerten; bei Sorgen um Aufmerksamkeit oder Gedächtnis ist die Hausärztin oder der Hausarzt die erste Anlaufstelle. Unser Test ist für Erwachsene ab 18 Jahren. Siehe auch den Wisconsin Card Sorting Test.

IQ Revealed ist nicht verbunden mit, unterstützt von oder beauftragt durch die Verlage einer Stroop-Testfassung, der Raven-Matrizen oder des Wisconsin Card Sorting Test, die Universität Zürich oder die übrigen genannten Forschenden und Einrichtungen. Testnamen dienen nur der Bezeichnung der beschriebenen Verfahren.

Häufige Fragen zum Stroop-Test

Was ist der Stroop-Effekt?

Der Stroop-Effekt ist die Verzögerung, die entsteht, wenn man die Druckfarbe eines Farbworts nennen soll, das eine andere Farbe bezeichnet — etwa blau sagen, wenn das Wort ROT blau gedruckt ist. Lesen läuft so automatisch ab, dass die Wortbedeutung stört. John Ridley Stroop maß 1935: Die Druckfarbe von 100 widersprüchlichen Farbwörtern zu benennen dauerte im Mittel 110,3 Sekunden, bei 100 Farbquadraten 63,3 Sekunden — 74 Prozent länger.

Was misst der Stroop-Test (Farbe-Wort-Interferenztest)?

Vor allem die Interferenzkontrolle: eine starke, aber falsche Reaktion zurückzuhalten und die richtige zu geben. Klinische Fassungen messen zusätzlich Lesetempo und Farbbenennung, also auch die Verarbeitungsgeschwindigkeit. Der Test ist ein Baustein einer neuropsychologischen Untersuchung und für sich allein nie eine Diagnose.

Hängt der Stroop-Test mit dem IQ zusammen?

Nur schwach. In einer Studie von 2006 mit jungen Erwachsenen hing die Fähigkeit, starke Reaktionen zu hemmen, gemessen unter anderem mit dem Stroop-Test, nur gering und nicht signifikant mit der Intelligenz zusammen; das Aktualisieren des Arbeitsgedächtnisses dagegen stark.

Was ist ein gutes Ergebnis im Stroop-Test?

Einen festen Grenzwert gibt es nicht. Zeiten und Fehler werden mit Normen für Alter und Bildung verglichen, weil beides viel ausmacht. Ein Ergebnis aus einer kostenlosen Online-Version hat keine Normen und ist nur ein Übungswert.

Wo stehen Sie beim logischen Denken?

Unser IQ-Test ist kostenlos auszufüllen und dauert etwa 25 Minuten. Der vollständige Bericht — Punktwert, Perzentil und Leistung je Denkbereich — gehört zur Mitgliedschaft.

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