Self-Serving Bias: die selbstwertdienliche Verzerrung

Der Self-Serving Bias (selbstwertdienliche Verzerrung) ist die Gewohnheit, Erfolge sich selbst zuzuschreiben und Misserfolge etwas außerhalb von uns. Die gute Note lag am Lernen, die schlechte am unfairen Prüfer. Er gehört zu den am besten belegten kognitiven Verzerrungen: Eine Übersicht über 266 Studien fand ihn in fast jeder Stichprobe.

Was die Forschung zeigt

Dale Miller und Michael Ross waren 1975 noch skeptisch: Sie fanden Belege dafür, dass Menschen Erfolge für sich verbuchen, aber kaum Belege dafür, dass sie Schuld für Misserfolge abschieben, und hielten auch eine nüchterne Erklärung für möglich — wer Erfolg erwartet, erlebt ihn als selbst verursacht. Spätere Arbeiten stützten dagegen die Motivationserklärung. W. Keith Campbell und Constantine Sedikides zeigten 1999 in einer Metaanalyse: Bedrohung des Selbstwerts verstärkt den Bias.

Die größte Synthese stammt von Amy Mezulis und Kollegen (2004): 266 Studien mit 503 Effektgrößen, mittlere Effektstärke 0,96 — ein großer Effekt. In US-Stichproben lag sie bei etwa 1,05, in anderen westlichen bei 0,70, in asiatischen bei 0,30. Kinder und ältere Menschen zeigten die stärkste Verzerrung, Stichproben mit Depression oder Angststörungen die schwächste.

Forschung aus Deutschland

  • Ehestreit (Bamberg). Astrid Schütz sammelte 1999 Berichte von 25 Ehepaaren über echte Konflikte. Selbst in unbelasteten Beziehungen waren die Darstellungen selbstwertdienlich verzerrt: Jeder betonte eigene Bedürfnisse und Kränkungen, nannte Entschuldigungen für das eigene Verhalten und sah den Anfang des Streits beim Partner.
  • Ost und West (Berlin). Bettina Hannover fand 1995 in einer Fragebogenstudie genauere Selbsturteile bei ostdeutschen als bei westdeutschen Studierenden, besonders nach negativer Leistungsrückmeldung. Die westdeutschen Studierenden waren zufriedener mit sich — zum Teil, weil ihre Urteile stärker geschönt waren.
  • Macht (Köln). Joris Lammers und Pascal Burgmer zeigten in drei Studien: Wer sich mächtig fühlt, schreibt gemeinsame Erfolge stärker sich selbst und gemeinsame Misserfolge stärker äußeren Ursachen zu — eine Herausforderung für gute Führung.

Weitere Beispiele

  • Teams und Paare. Michael Ross und Fiore Sicoly fanden 1979, dass Menschen sich an eigene Beiträge leichter erinnern und mehr Verantwortung für ein gemeinsames Ergebnis beanspruchen, als die anderen ihnen zuschreiben.
  • Verhandlungen. Linda Babcock und George Loewenstein zeigten, dass jede Seite die eigene Position für die faire hält — eine Ursache für festgefahrene Verhandlungen und Streiks.

Self-Serving Bias und fundamentaler Attributionsfehler

Beim fundamentalen Attributionsfehler erklären wir das Verhalten anderer mit ihrem Charakter; beim Self-Serving Bias erklären wir unsere eigenen Erfolge mit uns und unsere Misserfolge mit der Lage. Verwandt sind der Dunning-Kruger-Effekt und die kognitive Dissonanz, die erklärt, warum ein Misserfolg, der nicht zum Selbstbild passt, so schwer anzunehmen ist.

Was hilft

  • Gründe aufschreiben, bevor das Ergebnis feststeht.
  • Fragen, wie man dasselbe Ergebnis bei einem Kollegen erklären würde.
  • Beim Misserfolg auflisten, was in der eigenen Hand lag; beim Erfolg, was Glück war.
  • Die Gegenseite vertreten.

Bei Tests gilt: Vorher festlegen, was als faire Messung zählt — mehr dazu, wie genau IQ-Tests sind. Dieselbe Disziplin schützt vor dem Bestätigungsfehler.

Über diese Seite

Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung als allgemeine Information zusammen; sie ist keine psychologische, medizinische oder rechtliche Beratung, und die Befunde zu Depression und Angst beschreiben Gruppen, nicht einzelne Personen. Der Test von IQ Revealed ist ein Online-Test des logischen Denkens mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren; er misst den Self-Serving Bias nicht. Mehr dazu, wie IQ-Tests funktionieren. IQ Revealed steht in keiner Verbindung zu den genannten Forschenden, Hochschulen, Fachzeitschriften oder Verlagen; die Namen dienen nur der Quellenangabe: Miller & Ross (1975), Ross & Sicoly (1979), Campbell & Sedikides (1999), Mezulis et al. (2004), Schütz (1999), Hannover (1995), Lammers & Burgmer (2019).

Häufige Fragen zum Self-Serving Bias

Was ist der Self-Serving Bias?

Der Self-Serving Bias, auf Deutsch selbstwertdienliche Verzerrung oder selbstwertdienliche Attribution, ist die Neigung, Erfolge den eigenen Fähigkeiten und der eigenen Anstrengung zuzuschreiben und Misserfolge äußeren Umständen wie Pech, einer schweren Aufgabe oder anderen Menschen. Eine Metaanalyse von 2004 über 266 Studien fand ihn in fast allen untersuchten Stichproben.

Gibt es Forschung dazu aus Deutschland?

Ja. Astrid Schütz (Universität Bamberg) interviewte 25 Ehepaare zu Konflikten: Beide Partner betonten die eigenen Bedürfnisse und gaben dem anderen die Schuld am Streit. Bettina Hannover (TU Berlin) fand Mitte der 1990er-Jahre bei ostdeutschen Studierenden genauere, weniger geschönte Selbsturteile als bei westdeutschen. Und Joris Lammers und Pascal Burgmer (Universität zu Köln) zeigten, dass Macht den Bias verstärkt.

Was ist der Unterschied zum fundamentalen Attributionsfehler?

Der fundamentale Attributionsfehler betrifft andere: Wir erklären ihr Verhalten mit ihrem Charakter und übersehen die Situation. Der Self-Serving Bias betrifft uns selbst: Erfolge liegen an uns, Misserfolge an den Umständen. Zusammen ergeben sie eine Doppelmoral.

Wie lässt sich der Self-Serving Bias verringern?

Halten Sie Ihre Gründe schriftlich fest, bevor das Ergebnis feststeht; fragen Sie, wie Sie dasselbe Ergebnis bei einem Kollegen erklären würden; trennen Sie, was in Ihrer Hand lag und was nicht; und holen Sie das Urteil von jemandem ein, der kein Interesse am Ausgang hat.

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