Typ-A-Persönlichkeit und Typ B: Merkmale, Herzrisiko und was die Forschung wirklich zeigt
Typ A beschreibt ein Verhaltensmuster aus Wettbewerbsstreben, Zeitdruck und Leistungsdrang, Typ B das gelassenere, flexiblere Gegenstück. Die Begriffe stammen aus der Kardiologie der 1950er-Jahre, nicht aus der Persönlichkeitsforschung — und die ursprüngliche These, dass Typ-A-Verhalten Herzkrankheiten verursacht, hat den Prüfungen der folgenden Jahrzehnte nur teilweise standgehalten.
Warum diese Seite mit der Herzfrage anfängt
Weil Deutschland danach sucht. Neben „Typ A Persönlichkeit" schlägt Google „Typ A Persönlichkeit Herzinfarkt" als verwandte Suche vor — und die deutschsprachige Trefferseite beantwortet sie kaum: dort stehen ein Coaching-Blog, ein Führungskräfte-Blog, ein Magazinartikel mit drei Anzeichen, das Dorsch-Lexikon und Wikipedia. Die Studien, um die es eigentlich geht, kommen darin nicht vor. Hier kommen sie vor, mit Jahreszahl und Fundstelle.
Typ A: die Merkmale
- Wettbewerbsorientiert — misst sich an anderen, auch bei Nebensächlichkeiten
- Unter Zeitdruck — ungeduldig bei Warteschlangen, Verzögerungen, langsamem Sprechen
- Leistungsgetrieben — hohe Ziele, Selbstwert am Ergebnis, Erholung mit schlechtem Gewissen
- Reizbar bis feindselig — schnell verärgert, wenn etwas blockiert; genau dieser Teil interessiert die Forschung
- Mehrgleisig — isst und beantwortet E-Mails gleichzeitig, beendet Sätze anderer
Typ B: die Merkmale
- Gelassen — arbeitet stetig, ohne innere Stoppuhr
- Flexibel — passt sich an, statt gegen die Änderung zu kämpfen
- Ohne Dauerdruck — kommt mit offenen Aufgaben und unverplanter Zeit zurecht
- Ausgeglichen — langsamer reizbar, weniger reaktiv
- Prozessorientiert — kann die Arbeit selbst mögen, nicht nur die Ziellinie
Was Typ B nicht ist: faul oder ohne Ehrgeiz. Der Unterschied liegt in der Dringlichkeit, nicht im Anspruch.
Woher die Begriffe kommen: zwei Kardiologen, 1959
Meyer Friedman und Ray Rosenman, zwei Kardiologen in San Francisco, beschrieben 1959 im Journal of the American Medical Association einen Zusammenhang zwischen einem auffälligen Verhaltensmuster ihrer Herzpatienten und deren Blut- und Kreislaufbefunden. Ihre Western Collaborative Group Study begleitete mehrere tausend Männer; im Abschlussbericht nach achteinhalb Jahren (1975, ebenfalls JAMA) hatten Männer mit Typ-A-Muster etwa die doppelte Rate koronarer Herzkrankheit. 1981 erklärte ein eigens einberufenes Gremium des National Heart, Lung and Blood Institute in Circulation das Muster zum eigenständigen Risikofaktor. Für eine Weile stand Typ A damit in der Kardiologie neben Rauchen und Cholesterin.
Wie Typ A überhaupt gemessen wurde
Nicht mit einem Fragebogen. Das Referenzverfahren war das strukturierte Interview, in dem eine geschulte Person absichtlich langsam sprach, unterbrach und provozierte — und anschließend nicht nur die Antworten bewertete, sondern das Verhalten: Wurden Sätze zu Ende gesprochen? Wurde geseufzt, zurückgeschnappt? Später entstanden Papierverfahren wie der Jenkins Activity Survey. Beide Methoden waren sich häufig uneinig darüber, wer als Typ A galt — ein frühes Zeichen dafür, dass das Konstrukt unschärfer war, als zwei Buchstaben vermuten lassen.
Was danach passierte — und was übrig blieb
Ab den 1980er-Jahren fanden große Replikationsversuche den Zusammenhang oft nicht mehr. Eine vielzitierte quantitative Übersichtsarbeit von Booth-Kewley und Friedman (1987) kam zu dem Schluss, dass das globale Typ-A-Konstrukt bestenfalls ein schwacher und uneinheitlicher Prädiktor sei. Zerlegte man das Muster in seine Bestandteile, blieb einer stehen: Feindseligkeit. Chronischer Ärger, Zynismus und Antagonismus — nicht Betriebsamkeit, nicht Ehrgeiz, nicht schnelles Gehen — sind der Anteil, der in späteren Meta-Analysen mit kardiovaskulärem Risiko in Verbindung steht. Auch das Dorsch – Lexikon der Psychologie führt Ärger und Feindseligkeit ausdrücklich als den gesundheitlich relevanten Teil des Musters.
Zwei ehrliche Schlussfolgerungen. Erstens: getrieben und termingesteuert zu arbeiten ist für sich genommen keine belegte Gesundheitsgefahr — aus einem Buchstaben folgt keine Diagnose. Zweitens: die Zweiteilung selbst ist eine grobe Vereinfachung.
Typ A und Typ B im Vergleich
| Dimension | Typ A | Typ B |
|---|---|---|
| Tempo | schnell, terminorientiert | gleichmäßig, unhektisch |
| Zeitgefühl | chronische Dringlichkeit | offene Zeit ist angenehm |
| Wettbewerb | starker Antrieb | schwacher Antrieb |
| Frustration | schnell gereizt | langsamer verärgert |
| Erholung | schlechtes Gewissen | ohne schlechtes Gewissen |
Kann man den Typ wechseln?
Das Verhalten auf dieser Achse ist veränderbar. Friedman selbst leitete später Programme, in denen Herzpatienten trainierten, langsamer zu werden — bewusst in der längsten Schlange anstellen, auf der rechten Spur fahren. Das Temperament darunter bleibt wiedererkennbar; die kostspieligen Teile des Musters — die Dauergereiztheit, die Unfähigkeit zu ruhen — sind die sinnvollen Ansatzpunkte, nicht der Ehrgeiz.
Jenseits von zwei Buchstaben
Ein Modell mit zwei Kategorien eröffnet ein Gespräch, presst Persönlichkeit aber auf eine einzige Achse. Merkmalsbasierte Verfahren messen mehrere unabhängige Dimensionen und sagen, wo genau Sie auf jeder stehen. Wenn Typologien Sie interessieren: die neun Enneagramm-Typen bieten eine motivationsbasierte Sicht mit ähnlichen Vorbehalten, und wie belastbar Vier-Buchstaben-Typen sind, prüfen wir bei den 16 Persönlichkeiten. Persönlichkeit ist außerdem nur die halbe Karte: sie beschreibt Verhalten, während emotionale Intelligenz und IQ messen, was jemand kann.
Eine Grenze gehört ausdrücklich hierher, weil dieses Thema in einer kardiologischen Sprechstunde begann: IQ Revealed bietet keinen Typ-A-Test an und wertet keinen aus, und nichts auf dieser Seite ist eine gesundheitliche Beurteilung oder ärztlicher Rat. Fragen zum eigenen Herzen gehören zu einer Ärztin oder einem Arzt, nicht zu einem Persönlichkeitsetikett. Unser Persönlichkeitstest ist kostenlos, das vollständige Profil gehört zur Mitgliedschaft.
IQ Revealed steht in keiner Verbindung zum Enneagram Institute, zur Myers-Briggs Company oder zu anderen Herausgebern der hier genannten Persönlichkeitsmodelle und führt deren Verfahren weder durch noch wertet es sie aus. Die Namen stehen hier nur, damit die beschriebenen Modelle zurückverfolgt werden können.
Häufige Fragen zu Typ A und Typ B
Was ist eine Typ-A-Persönlichkeit?
Ein Verhaltensmuster aus Wettbewerbsstreben, ständigem Zeitdruck, hohem Leistungsanspruch und einer Neigung zu Ungeduld und Gereiztheit. Das Dorsch – Lexikon der Psychologie fasst es als Ungeduld und Ruhelosigkeit, Ehrgeiz, Wettbewerbsstreben sowie Ärger und Feindseligkeit zusammen. Es ist ein Muster, kein Persönlichkeitstyp im Sinne der Persönlichkeitspsychologie.
Was ist eine Typ-B-Persönlichkeit?
Ursprünglich schlicht die Abwesenheit von Typ A: gelassener, geduldiger, ohne die innere Stoppuhr, langsamer reizbar, im Umgang mit offener Zeit entspannt. Typ B heißt nicht unehrgeizig — es heißt, dass der Ehrgeiz ohne chronische Dringlichkeit auskommt.
Führt eine Typ-A-Persönlichkeit zum Herzinfarkt?
Nein, so einfach ist es nicht — und genau das ist die am häufigsten gestellte deutsche Frage zum Thema. 1981 erklärte ein Gremium des US-amerikanischen National Heart, Lung and Blood Institute Typ A zum eigenständigen Risikofaktor. Spätere Replikationen fanden den Zusammenhang oft nicht mehr, und eine Meta-Analyse von 1987 stufte das Gesamtmuster als schwachen, uneinheitlichen Prädiktor ein. Übrig geblieben ist ein Teilstück: Ärger und Feindseligkeit.
Kann man beides sein, Typ A und Typ B?
Ja, und die meisten Menschen sind es. A und B sind die Enden eines Kontinuums, keine zwei Schubladen. Dieselbe Person ist während eines Projektabschlusses ausgeprägt Typ A und im Urlaub ausgeprägt Typ B; ein Arbeitsumfeld unter Dauerdruck holt Typ-A-Verhalten aus fast jedem heraus.
Ist das Modell wissenschaftlich noch aktuell?
Als grobe Alltagssprache ja, als Messmodell nein. Die Persönlichkeitspsychologie arbeitet heute mit kontinuierlichen Merkmalsmodellen wie den Big Five, die mehrere unabhängige Dimensionen abbilden, statt Menschen auf einen Buchstaben zu reduzieren.
Welcher Typ sind Sie?
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