Sunk Cost Fallacy: der Denkfehler der versunkenen Kosten
Die Sunk Cost Fallacy (auf Deutsch Sunk-Cost-Effekt oder Denkfehler der versunkenen Kosten) ist die Neigung, weiter in etwas zu investieren, weil man schon viel hineingesteckt hat – und nicht, weil es sich ab jetzt lohnt. Bereits ausgegebenes Geld, verbrauchte Zeit und Mühe sind in jedem Fall verloren. Trotzdem lassen wir uns davon leiten: Wir sehen schlechte Filme zu Ende, halten an gescheiterten Projekten fest und zahlen weiter in Verträge, die wir nicht mehr wollen.
Die Skireise und das Theaterabo
Hal Arkes und Catherine Blumer von der Ohio University fragten 1985 Studierende, welche von zwei Skireisen am selben Wochenende sie antreten würden: die für 100 Dollar nach Michigan oder die für 50 Dollar nach Wisconsin, von der sie sich mehr Spaß erwarteten. Von 61 Befragten wählten 33 die teurere Reise – nur 46 % die angenehmere.
Im echten Leben prüften sie es mit Theaterabos: Die ersten Käufer der Saison 1982/83 erhielten zufällig den vollen Preis von 15 Dollar oder 2 bzw. 7 Dollar Rabatt. Wer voll bezahlt hatte, besuchte in der ersten Saisonhälfte im Schnitt 4,11 Vorstellungen, die Rabattgruppen 3,32 und 3,29. In der zweiten Hälfte war der Unterschied verschwunden.
Warum wir versunkene Kosten nicht loslassen
- Nichts verschwenden wollen: Arkes und Peter Ayton sahen 1999 darin eine übergeneralisierte Verschwende-nichts-Regel.
- Verluste wiegen schwerer: Arkes und Blumer fanden das Muster gut durch die Prospect Theory beschrieben.
- Optimismus nach der Investition: Wer schon investiert hatte, schätzte die Erfolgschancen eines Projekts höher ein.
- Grübeln: Menschen, die schwer von Vergangenem loskommen, sind laut einer niederländischen Studie von 2010 besonders anfällig.
Was die Forschung in Deutschland zeigt
Stefan Roth, Thomas Robbert und Lennart Straus von der Universität Kaiserslautern werteten 2015 in einer Metaanalyse 98 Effektstärken aus. Ergebnis: Der Effekt ist real, seine Größe hängt aber von der Art der Entscheidung ab. Bei der Nutzung bereits bezahlter Dinge schwächt er sich mit der Zeit ab – wie beim Theaterabo. Und ältere Erwachsene sind weniger anfällig als jüngere.
Fabian Hogrebe und Eva Lutz von der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf untersuchten 2024 30.602 Entscheidungen von Wagniskapitalgebern: Je mehr Kapital und Betreuungsaufwand schon in ein Unternehmen geflossen waren, desto wahrscheinlicher investierten sie erneut.
Concorde-Effekt: Tun Tiere das auch?
In der Biologie heißt derselbe Fehler Concorde-Effekt, nach dem Überschallflugzeug. Arkes und Ayton fanden 1999 keine eindeutigen Fälle bei Tieren. 2018 berichtete eine Studie in Science, dass Mäuse, Ratten und Menschen sich ähnlich schwer von einer Belohnung lösen, je länger sie schon gewartet haben. Forschende in Berlin um Torben Ott hielten 2022 dagegen, das Muster könne ein statistisches Artefakt sein, das auch ein völlig rationaler Entscheider erzeugt. Die Frage ist offen.
Wie stark ist der Effekt wirklich?
Mit echtem Geld fällt er oft kleiner aus. In einem Computerspiel-Experiment von 2007 war er überraschend schwach, in einem Amsterdamer Feldversuch mit Kursgebühren von 2016 trat er insgesamt nicht auf. In einem Investitionsexperiment von 2022 zeigte sich sogar ein umgekehrter Effekt: Höhere Vorinvestitionen führten seltener zum Weitermachen.
Hilft Intelligenz?
Kaum. Der Sunk-Cost-Effekt gehört laut Stanovich und West (2008) zu den Denkfehlern, die weitgehend unabhängig vom IQ auftreten. Mehr dazu bei kritischem Denken, bei den kognitiven Verzerrungen und bei der kognitiven Dissonanz, die das Festhalten an einer teuren Entscheidung mit erklärt.
So entkommen Sie der Kostenfalle
- Fragen Sie: Würde ich heute, bei null, damit anfangen?
- Legen Sie Abbruchkriterien vorher schriftlich fest.
- Benennen Sie, was Zeit und Geld anderswo bringen könnten.
- Lassen Sie jemand Unbeteiligten über das Weitermachen urteilen.
- Hören Sie nicht nur deshalb auf, weil schon viel investiert ist.
Zu dieser Seite
Diese Seite fasst veröffentlichte Forschung zur allgemeinen Information zusammen; sie ist keine Finanz-, Berufs- oder Beziehungsberatung. Der IQ-Revealed-Test ist ein Online-Denktest mit 40 eigenen Aufgaben für Erwachsene ab 18 Jahren; er misst weder die Sunk Cost Fallacy noch andere Denkfehler. Wie solche Tests funktionieren, erklärt unser Leitfaden. IQ Revealed ist mit den genannten Forschenden, Universitäten, Fachzeitschriften und Verlagen nicht verbunden; Namen dienen nur der Kennzeichnung der Studien.
Häufige Fragen zur Sunk Cost Fallacy
Was ist die Sunk Cost Fallacy?
Die Sunk Cost Fallacy (Sunk-Cost-Effekt, Denkfehler der versunkenen Kosten) ist die Neigung, an etwas festzuhalten, weil man schon Geld, Zeit oder Mühe hineingesteckt hat – und nicht, weil das Weitermachen sich ab jetzt lohnt. Die bereits ausgegebenen Kosten sind in jedem Fall weg und sollten die Entscheidung nach ökonomischer Logik nicht beeinflussen. Hal Arkes und Catherine Blumer beschrieben den Effekt 1985.
Was ist ein Beispiel für die Sunk Cost Fallacy?
In der bekanntesten Frage von Arkes und Blumer besaßen Studierende zwei Tickets für Skireisen am selben Wochenende: 100 Dollar für Michigan und 50 Dollar für Wisconsin, wo sie mehr Spaß erwarteten. Nur eine Reise war möglich, keins der Tickets ließ sich verkaufen. 33 von 61 wählten die teurere Reise – nur 46 % die, die ihnen mehr Freude versprach. Im Alltag: den schlechten Film zu Ende schauen, weil das Kinoticket bezahlt ist.
Was ist der Unterschied zwischen versunkenen Kosten und Opportunitätskosten?
Versunkene Kosten sind bereits bezahlt und nicht zurückzuholen; sie sind bei jeder Option gleich. Opportunitätskosten sind der Nutzen der besten Alternative, auf die man verzichtet – sie liegen in der Zukunft und gehören in die Entscheidung. Die Sunk Cost Fallacy gewichtet oft das Erste zu stark und übersieht das Zweite.
Schützt ein hoher IQ vor der Sunk Cost Fallacy?
Nach den Daten nicht. Keith Stanovich und Richard West fanden 2008 in sieben Studien, dass der Sunk-Cost-Effekt zu den klassischen Denkfehlern gehört, die weitgehend unabhängig von der kognitiven Fähigkeit sind. Auch Ökonomiekurse verringerten ihn bei Arkes und Blumer nicht. Das Alter spielt eher eine Rolle: Ältere Erwachsene sind laut der Kaiserslauterer Metaanalyse weniger anfällig als jüngere.
Wie vermeidet man die Sunk Cost Fallacy?
Die Frage vom Nullpunkt aus stellen: Würde ich das heute, mit meinem jetzigen Wissen, neu beginnen? Abbruchkriterien vorher schriftlich festlegen, die Opportunitätskosten benennen und jemanden prüfen lassen, der die ursprüngliche Entscheidung nicht getroffen hat. Umgekehrt gilt: Allein wegen hoher Vorkosten aufzuhören, ist ebenfalls ein Fehler.
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